Hyper-SUV trifft Lotus-Spirit – Kann das gut gehen?
Was passiert, wenn eine traditionsreiche Marke wie Lotus plötzlich alles über Bord wirft, was sie je ausgemacht hat? Genau das wollte ich wissen – und stand plötzlich vor einem über fünf Meter langen, fetten, elektrischen SUV, der alles, nur nicht leicht ist. Lotus, das war doch einmal „Simplify and add Lightness“ – also bitte alles abschrauben, was nicht zwingend für den Siegeszug um die Kurve benötigt wird. Und jetzt? Begrüßt mich da ein Monster namens Eletre, gebaut in Wuhan, mehr Technik als in fünf NASA-Raumstationen zusammen, über zwei Tonnen schwer, innen komplett in Leder und Mikrofaser verpackt und ab 99.900 Euro zu haben. Willkommen in einer völlig neuen Lotus-Welt! Dieser Testbericht nimmt euch mit auf einen Sprung ins Ungewisse: Kann so ein Auto überhaupt noch irgendwas von Lotus? Wann schwappt es in Richtung Karikatur? Und vor allem: Kann ein SUV trotz Überfluss noch Spaß machen? Bleibt dran – es wird schrill, britisch-grün und garantiert nicht langweilig.
Das hat uns bewegt – Groß, grün, gaga – und doch ein Lotus?
Mal ehrlich: Wer hätte gedacht, dass Lotus mal ein elektrisches SUV baut, das aussieht wie ein Transformer mit Adelsdiplom? Überall Luftkanäle, Flügel, Spoiler und ein Optikfeuerwerk aus Goldakzenten und Carbon – das Ganze wie eine Überzeichnung der eigenen Grundwerte, aber so charmant und dreist, dass man ihm gar nicht böse sein kann. Der Eletre ist die Schokopizza unter den Autos: Keiner hat danach gefragt, aber plötzlich will man doch mal reinbeißen.
Die Parallelen zum BMW XM sind unübersehbar, aber beim Lotus fühlt es sich mehr nach Humor und Selbstironie an, weniger nach protziger Selbstdarstellung. Klar, wirklich „leicht“ ist das hier nicht – 2,6 Tonnen wiegen eben. Aber: Der Eletre will nirgendwo „normal“ oder „mittelmäßig“ sein, jeder Luftschacht, jedes Detail schreit nach Besonderheit. Und das zieht sich gnadenlos durch: beim absurden Soundsystem, dem wild belederten Innenraum, den cleveren Bedienlösungen oder gar der schieren Lade-Performance. Wer Lotus klassisch sucht, wird den Kopf schütteln. Wer Luxus, Technik und Drama mag, der wird begeistert sein. Und in der echten Welt? Das Ding fährt wie ein Sportwagen auf Stelzen, bleibt dabei aber überraschend alltagstauglich. Man merkt, hier wurde an den richtigen Stellen übertrieben – und das macht den Eletre so besonders.
Exterieur – Poröse Kunst und britische Extravaganz
Schon beim ersten Blick auf den Lotus Eletre könnte man meinen, ein Designteam unter Starkstrom hätte sich völlig ausgetobt. Mit 5,10 Metern Länge dominiert das SUV seinen Raum – aber was am meisten heraussticht, ist der „Porositätsansatz“: Statt massiver Flächen leiten sieben (!) teils spektakuläre Luftkanäle die Strömung durch das Auto. Die grünen Farbakzente, das optionale Carbon-Paket und die Felgen in 22 Zoll Größe setzen dem Ganzen die Krone auf. Vorne ein Tagfahrlicht-Flügel, darunter Matrix-LED-Scheinwerfer – alles auf Wirkung getrimmt. Hinten dominiert ein Lichtband, das nicht nur hübsch aussieht, sondern mit Farbspielen sogar den Ladezustand anzeigt. Beim Eletre darf Design Spaß machen – und bleibt trotzdem funktional. Fast alles schreit: Guck mich an! Und das ist wunderbar selbstbewusst.
Interieur – Lounge der Ledergötter
Im Innenraum eskaliert Lotus komplett. Jede erdenkliche Oberfläche ist beledert oder mit hochwertigem Mikrofaserstoff bezogen – seien es Ablagen, Kofferraum, Türen oder sogar die Fußmatten. Goldene Akzente und das markante Lotus-Logo machen klar: Hier sitzt man im „besten Wohnzimmer“ der automobilen Oberklasse. Die Sitze sind ein Ort der Glückseligkeit – belüftet, beheizt, massierend und optional sogar als Ergo-Variante erhältlich. Die 24 Lautsprecher mit 2000 Watt erfüllen höchste Audiowünsche, der Materialmix überzeugt durchgehend. Selbst als größerer Mensch sitzt man luftig und bequem, sowohl vorn als auch hinten. Alles fühlt sich so massiv wie wertig an, keine Billigplastik in Sicht. Man merkt, wie stolz Lotus auf diese neue Blütezeit ist – hier wurde an nichts gespart.
Bedienung – Hightech, nur in hübsch
Zentrale Schaltzentrale ist der 15,1 Zoll große Touchscreen in der Mittelkonsole. Das System reagiert pfeilschnell, bietet Apple CarPlay und Android Auto, lässt aber auch die Bedien-Oldschooler nicht im Stich. Die Menüführung ist logisch, alles lässt sich konfigurieren – sei es die Ambientebeleuchtung, der Fahrmodus oder das Glaspanoramadach. Die schmalen digitalen Displays direkt vor Fahrer und Beifahrer wirken ungewohnt, zeigen aber die wichtigsten Infos. Wippen am Lenkrad regeln Fahrmodus und Rekuperation, alles mit Feedback und Klarheit, wie man es sich wünscht. Selbst die goldenen Fensterheber haben eine fühlbare Struktur – sinnlos, aber herrlich detailverliebt. Negativ: Wer den Puristenweg sucht, wird erschlagen von den Möglichkeiten und der Masse an Funktionen.
Praktikabilität – Alltag kann so wild sein
Mit 688 Litern Kofferraumvolumen schlägt der Eletre die meisten Familienkutschen – und das, obwohl alles verkleidet und hochwertig gestaltet ist. Die Rücksitze bieten jede Menge Platz, sogar Isofix ist charmant integriert (ja, auch das geht edel). Ablagen sind in Hülle und Fülle vorhanden, leichte Zugänglichkeit inklusive. Die elektrisch ausfahrbare Anhängerkupplung (2.200 kg Zuglast) ist ein echtes Argument für den Familienausflug samt Anhänger. Spielereien wie der belederte Kofferraumschutz oder die Möglichkeit seine Profiltiefe direkt durch den Luftkanal zu checken: Hier wurde bis ins Detail gedacht. Kinderfreundlich, alltagsgerecht – und trotzdem voller Exzentrik. Nur der Unterhalt aufgrund des hohen Basispreises dürfte Familienväter ins Schwitzen bringen.
Fahrverhalten – SUV-Panzer mit Lotus-Herzschlag
Jetzt zum eigentlichen Knackpunkt: Fährt so ein Hyper-SUV wirklich noch wie ein Lotus? Überraschende Antwort: Ja, und wie! Schon beim Anfahren liefert der Elettre den E-Auto-typischen Punch – aber es kommt noch besser. Nach der ersten Schubwelle setzt er noch einen drauf, schleudert einen nach vorn, als wolle er beweisen, dass auch 2,6 Tonnen Spaß machen können. Die Allradlenkung sorgt für eine verblüffende Wendigkeit, egal ob in engen Kurven oder auf dem Parkplatz – gefühlt tanzt der Eletre leichter als so manches Stadtflitzerchen. Trotz 22-Zoll-Rädern bleibt der Alltagskomfort dank Luftfederung auf Oberklasse-Niveau. Im Sportmodus wird alles kuschlig-eng und direkt, im Tourmodus schwebt das Gefährt wie auf dem berühmten britischen Rasen, nimmt aber dennoch alle Unebenheiten gelassen. Akustik? Deutlich spürbar, wenn’s sportlich zugeht – Lotus meint dazu „because race car“. Wer eine überdämpfte Lounge à la Porsche sucht, wird weniger glücklich – der Eletre will, dass man noch mitbekommt, wo man unterwegs ist. Und das ist für manchen Puristen schon wieder sympathisch.
Auch die Technik beeindruckt: 800-Volt-Architektur, 350 kW Schnellladen – von 10 auf 80 % in 20 Minuten. Die Reichweite variiert zwar je nach Rad- und Fahrmodi, aber um die 400 km realistisch sind kein Problem. Und sollte es wirklich mal in Richtung Höchstleistung gehen: Der Elettre kann bis zu 258 km/h und sprintet in rund 4,5 Sekunden auf Hundert. Gefühl: Immer ein Hauch mehr als die Zahlen glauben machen. Alltagsspaß? Garantiert – aber entspannter als die kleine Straßenflunder von Lotus früher. Lieber britisch auf der Überholspur als nervös im Rückspiegel.
⚙️ Technische Daten
- Modell: Lotus Eletre S
- Baujahr: 2024
- Motor: 2x Elektromotor (je 306 PS)
- Getriebe: Automatik (E-Antrieb)
- Antrieb: Allrad
- Leistung: 612 PS / 450 kW
- Drehmoment: 710 Nm
- Gewicht: ca. 2.600 kg (je nach Ausstattung)
- Höchstgeschwindigkeit: 258 km/h
- 0–100 km/h: 4,5 Sekunden
- Verbrauch (kombiniert): ca. 21–30 kWh/100 km (realistisch)
- Reichweite (WLTP): bis zu 600 km (kleine Räder) / 535 km (22 Zoll) – 112 kWh Batterie
- Preis (Basis/Testwagen): ab 99.900 €, Testwagen ca. 185.000 €
🔝 Top 5 – Was richtig gut ist
- Fühlt sich wendiger an, als jedes Recht es zulassen würde.
- Innenraum wie ein britisches Boutique-Hotel – überall Leder und Mikrofaser!
- Ladeleistung, die auch in ein paar Jahren noch akzeptabel sein wird (350 kW).
- Soundsystem? Konzertsaal auf Rädern!
- Technikhighlights ohne Ende: Vier LIDAR-Sensoren, 24 Lautsprecher, aktiver Heckspoiler…
🙈 Flop 5 – Was nicht so toll ist
- Für den Preis muss man sehr, sehr häufig nüchtern durchrechnen – sonst Schnappatmung!
- Verbrauch im Alltag eher auf Tesla-LKW-Niveau als auf Lotus-Diät.
- Informiert dich gerne mal akustisch, wenn du nah an der Linie bist – Nervpotenzial.
- Trotz der vielen Funktionen: Die Einsteiger brauchen Geduld beim Ergründen aller Menüs.
- Wiederverkaufswert? Ein Glücksspiel unter den britisch-chinesischen Exoten.
Fazit & Score – Mehr Lotus, als man glaubt – nur anders
Der Lotus Eletre ist alles, was Lotus früher nie sein wollte – ein Hyper-SUV, zu groß, zu schwer, zu viel von allem – aber: Er macht verdammt viel Spaß. Wer Technikoverkill, echten Luxus und einen Hauch Exzentrik sucht, wird glücklich wie ein Brite im Regen. Auf der Straße spielt er trotz XXL-Gewicht überraschend leicht und wendig, die Technikfunktionalität ist überragend, der Innenraum ein Statement. Die hohe Anschaffungssumme bleibt ein echter Wermutstropfen, aber hey – Understatement war gestern. Puristen werden den Kopf schütteln, Genießer werden sich freuen. Mein Rat: Probefahrt machen, Gegenwert erleben, schmunzeln und dann vielleicht doch noch mal prüfen, ob das Sparschwein groß genug ist.
Bewertung im Video: 78 Punkte
📹 Zum Video
Hier geht’s zum Video: https://youtu.be/cFZiAt3zCd4
Transparenz
Dieser Text basiert auf dem Video welches am 22.07.2025 zuerst veröffentlicht wurde








